Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern
Die Digitalisierung des Reporting bietet viele Chancen, erfordert aber insbesondere auch die Berücksichtigung von Governance-Regeln. Eine Fachkonferenz in Berlin befasste sich jetzt mit den Faktoren für erfolgreiches Reporting.
Der Transformationsprozess, der durch die zunehmende Digitalisierung ausgelöst wird, stellt derzeit vieles im Rechnungswesen und in der auf dessen Daten basierenden Unternehmenssteuerung auf den Prüfstand. Aktuell bedeutsame Erfolgsfaktoren in der Reporting-Praxis standen im Mittelpunkt der Fachkonferenz Reporting & Analytics von Horváth & Partner, die die 2005 gestartete Veranstaltungsreihe zum 13. Mal fortsetzte. Im Zentrum standen insbesondere Anwenderberichte von großen und auch kleineren Unternehmensvertretern zur Umstellung herkömmlicher Reporting-Systeme auf neue Anforderungen. Als Konferenzleiter führten Jens Gräf und Dr. Johannes Isensee, unterstützt von Markus Kirchmann, durch die beiden Veranstaltungstage (Principals bzw. Partner im Competence Center Controlling & Finance bei Horváth & Partner).
Digitale Revolution forciert Neuausrichtung
Die digitale Revolution erfordere rasch eine grundlegende Neuausrichtung, wobei sich folgende Aufgabenfelder unterscheiden lassen:
- Neue Expertise: Veränderte Rollenbilder und Anforderungen für die Controller und Manager
- Neues Ziel: Strikte Automatisierung und Effizienzorientierung
- Neuer Ansatz: Neue Philosophie für Steuerung und Reporting
- Neue Basis: Ausbau und Integration der Datenbasis
Vor diesem Hintergrund wurden die Anwenderberichte vorgetragen. So stellte Daniel Asbach, Commercial Head of Business Intelligence bei Siemens, sein Konzept einer zeitgemäßen Entscheidungsunterstützung mit Self Service und Mobile BI (SSBI) vor. Die SSBI ist als die Möglichkeit des End-users definiert, eigene Reports und Analysen zu erstellen, im Rahmen einer abgestimmten, IT-unterstützten Architektur mit Tool-Portfolios. Chancen bestehen insbesondere aufgrund zusätzlicher Flexibilität, der Entfernung von PowerPoint und der Vermeidung der individuellen Schönung von Zahlen. Die massiv steigende Anzahl von Daten und Content lässt sich durch „single source of truth” beherrschen. Fachnutzern ohne IT-Kenntnisse können Daten so bereitgestellt werden, dass sich diese intuitiv und flexibel kombinieren und analysieren lassen. Risiken bestehen darin, dass jeder sein eigenes Dashboard hat: „Wenn Sie zwei Uhren haben, wissen sie nie wie spät es ist.” Auch die Diskussion der Datenbasis inkl. deren Qualität und nicht der Steuerung ist ein Risiko. Es besteht die Gefahr, die Controlling-Community nicht mitzunehmen und entsprechend zu schulen.
Governance als Erfolgsfaktor
Der digitalen Transformation wird bei Siemens großes Potenzial hinsichtlich Effizienz, Flexibilität, Transparenz, Geschwindigkeit und neuen Wegen der Zusammenarbeit beigemessen. Erfolgsfaktoren sind
- die Datenqualität,
- die Infrastruktur (Einstieg, Stabilität),
- die definierte Flexibilität für jedes Geschäft,
- die Governance und eine zutreffende Objekt-Definition.
Auch in den weiteren Anwenderberichten (z.B. von Vertretern der REWE Group, Semperit, ABB, Allianz Suisse) wurde die Einhaltung von Governance-Regeln als erfolgskritische Anforderung hervorgehoben.
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Vernetzung von Risikomanagement und Controlling
Risikomanagement und Controlling verbinden viele Gemeinsamkeiten: Auf Grundlage einer gleichen Datenbasis entwickeln beide Abteilungen entscheidungsrelevante Reports, Planungen und Kalkulationen. Und im Spannungsfeld von Chancen und Risiken sehen sie sich gleichen Berichtsempfängern, Fachabteilungen oder der Geschäftsführung als Managementberater gegenüber. Wie sich konkrete Synergien beider Abteilungen erkennen und ausschöpfen lassen, beschreiben die Experten der Risk Management Association (RMA) und des Internationalen Controller Vereins (ICV) in ihrem gemeinsamen Praxisbuch:
- Status quo, Ziele und Rahmenbedingungen des Zusammenwirkens von Risikomanagement und Controlling
- Praktische Umsetzungslösungen und ihre Grenzen – u.a. am detaillierten Beispiel der Risikotragfähigkeitsermittlung
- Organisatorische, personelle und IT-Aspekte der Vernetzung von Risikomanagement und Controlling
Ein praxisnaher Impulsgeber, der aus unterschiedlichen betrieblichen Perspektiven neue Wege zum besseren Zusammenwirken zweier elementarer Unternehmensbereiche aufzeigt.
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(ESV/ps)