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Steuer und Controlling  
01.04.2015

Spannungsfeld Transferpreis

Mario Schulz, ESV-Redaktion COMPLIANCEdigital
Anforderungen an Transferpreise steigen (© Fotolia, Heidrun Lutz)
Transferpreise werden laut Horv�th & Partners f�r Controller und Steuerexperten immer wichtiger. Um die Gestaltungsm�glichkeiten zu nutzen, m�ssen beide Seiten ihre Anforderungen klarer formulieren.
Die Bepreisung konzerninterner Transaktionen hat sich für international aufgestellte Unternehmen zunehmend zu einem Spannungsfeld entwickelt, so das Ergebnis der gemeinsamen Studie der Managementberatung Horváth & Partners und der Steuerkanzlei Flick Gocke Schaumburg. Transferpreise sind demnach zunehmend einer "aggressiven" Betriebsprüfung ausgesetzt. Zugleich haben die CFO's in den Unternehmen die Bedeutung der Transferpreise für die Steuerung der Unternehmen erkannt, was dazu führt, dass auch die Anforderungen der Unternehmen an die Transferpreise steigen.

Oberster Ziel: Sicherheit

Bei der Bestimmung der Transferpreise hat für alle 250 befragten Unternehmen die Rechtssicherheit oberste Priorität. "Andernfalls riskieren sie Gewinnkorrekturen, Steuernachzahlungen oder gar Nachzahlungszinsen und Strafzuschläge", so Dr. Xaver Ditz, Partner bei Flick Gocke Schaumburg.

Als zunehmende Herausforderung beschreiben die Teilnehmer der Studie die Tatsache, dass die Transferpreise gleichzeitig zu einer transparenten Erfolgsermittlung einzelner Konzernteile beitragen, dezentrale Managemententscheidungen unterstützen oder zur Anreizgestaltung für Entscheidungsträger dienen sollen. Dieses Nebeneinander, so die Studienteilnehmer, führt bei zwei Drittel der Befragten zu internen Konflikten in den Unternehmen.

Transferpreise managementorientiert und steuerkonform gestalten

„Um Transferpreise gleichzeitig managementorientiert und steuerkonform zu gestalten“, haben sich laut Prof. Dr. Ralf Eberenz von Horváth & Partners zwei Systeme in der Vergangenheit bewährt: Das Ein-Kreis- und das Zwei-Kreis-System:
  • Das Ein-Kreis-System wird auf Basis steuerrechtlich bestimmter Transferpreise gesteuert.
  • Im Zwei-Kreis-System arbeiten die Unternehmen parallel mit zwei unterschiedlichen Transferpreisen − einem für die Steuerung und einem für steuerrechtliche Zwecke.
Laut der Umfrage wird in der Praxis allerdings das Zwei-Kreis-System kaum angewendet. Nur neun Prozent der Befragten haben sich für dieses System entschieden, da dieses laut Auffassung von Dietz sehr "aufwendig" und von vielen "Finanzbehörden häufig nicht akzeptiert" wird. Vor allem die Finanzbehörden in Italien, China und Indien sind laut der befragten Unternehmen in dieser Frage besonders kritisch.

Balance zwischen Steuer und Steuerung

Welches Verfahren auch angewandt wird − der Schlüssel liegt in der Integration der betriebswirtschaftlichen und der steuerrechtlichen Sicht, so Eberenz. Grundlegend muss aber der Austausch "zwischen den Akteuren aus dem Controlling und der Steuerabteilung (…) verstärkt werden. Heute geben nur 39 Prozent der Unternehmen an, eine Regelkommunikation zwischen den beiden Abteilungen etabliert zu haben."

Nach Auffassung von Eberenz  könne sich dies jedoch bald ändern. Laut der Umfrage planen 42 Prozent der Unternehmen, das bisher angewendete Transferpreissystem zu überarbeiten – fast zwei Drittel wollen dies in den nächsten zwei Jahren angehen. "Dabei wird es darauf ankommen, dass Controller und Steuerexperten die Anforderungen gemeinsam und klar formulieren. Dann haben die Unternehmen trotz aller steuerlichen Einschränkungen erstaunliche Gestaltungsmöglichkeiten", so Eberenz abschließend. (Quelle: Horváth & Partners)