COMPLIANCEdigital
 
Vorstandsvergütung  
20.08.2018

Vergütungsrelationen als Risikofaktor

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern
Ein zu hohes Gehaltsgefälle kann den Teamgeist gefährden (Foto: Schlierner/Fotolia.com)
Neben zu hohen Vergütungen auf Vorstandsebene geraten auch immer öfter ressortabhängige Unterschiede und zu hohe Abstände zur nachfolgenden Managementebene auf den Prüfstand.
Neben dem häufig vorgeschobenen Neidfaktor gibt es auch handfeste betriebswirtschaftliche Argumente gegen die hohen Saläre für Vorstände. Denn noch gefährlicher als die absolute Höhe ist aus Expertensicht, dass sie den Teamgeist in der Führungsriege erheblich belasten können – und zwar wegen des großen Gehaltsgefälles. Wenn ein Vorstand zehn Millionen Euro und ein Manager der zweiten Ebene 800.000 Euro erhält, sei der Unterschied „viel zu hoch”, kritisierte jüngst der Experte für Familienunternehmen, Brun-Hagen Hennerkes (vgl. GermanBoardnews (GBn) vom 30.7.2018, zum zugrundeliegenden Interview s. hier).

Digitalisierung erfordert flachere Vergütungssysteme für flachere Hierarchien

Während Aufsichtsräte Agilität und Teamgeist als Antwort auf die Digitalisierung beschwören, verantworten sie Vergütungssysteme, die entgegengesetzte Anreize schaffen. Gezahlt wird weiter, als wären die Chefs die größten Experten, die weitgehend im Alleingang über Wohl und Wehe des Unternehmens entscheiden. Das ist – so die GBn-Experten – ein gefährlicher Anachronismus, weil es im Zeitalter der digitalen Transformation mehr denn je darauf ankomme, dass alle Führungskräfte gute Ideen haben und richtige Entscheidungen fällen. Gefordert wird daher: Von den Vorständen nehmen – und anderen Führungskräften geben.

Ressortabhängige Unterschiede

Eine vorgelagerte Frage ist diejenige nach den Vergütungsunterschieden auf der Vorstandsebene selbst. Dazu wird in Kürze in der Zeitschrift für Corporate Governance (ZCG) in der Anfang September erscheinenden Ausgabe 5/18 über eine Kienbaum-Studie ausführlich berichtet werden. Das Autorenteam Dr. Sebastian Pacher / Dr. Katharina Dyballa / Dr. Alexander v. Preen geht davon aus, dass der Vorstand einer Aktiengesellschaft (AG) grundsätzlich ein Kollegialorgan ist, in dem jedes Mitglied für die recht- und ordnungsgemäße Funktion des Gesamtvorstands sorgen muss.

Allerdings gewinnen aufgaben- und kompetenzbezogene Vorstandsressorts gerade vor dem Hintergrund tiefgreifender wirtschaftlicher Veränderungen und der damit einhergehenden steigenden Komplexität der Managementaufgaben an Bedeutung. Die Vorstandsgremien der meisten Aktiengesellschaften sind daher in thematische Ressorts, wie z.B. Finanzen, Personal oder Marketing unterteilt. Gerade vor dem Hintergrund der Gesamtverantwortung des Vorstands gehen sie der spannenden Frage nach, inwieweit Unternehmen Unterschiede bei der Vergütung ihrer Vorstandsmitglieder in Abhängigkeit zur Ressortverantwortung vornehmen. In dem unter dem Titel „Gleich und doch verschieden: Wie die Ressortzuständigkeiten die Vorstandsvergütung beeinflussen” erscheinenden Beitrag wird untersucht, inwiefern die Vergütung von Vorständen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX in Abhängigkeit zur Ressortzuständigkeit variiert.

Signifikantes Vergütungsgefälle nachweisbar

Die empirischen Ergebnisse deuten auf ein signifikantes Vergütungsgefälle innerhalb der Vorstandsgremien hin. An der Spitze liegen Finanz- und IT-Vorstände, während Personalvorstände das Schlusslicht bilden.

Zeitschrift für Corporate Governance

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(ESV/ps)