Private-Equity-Beteiligungen an Steuerkanzleien gewinnen zunehmend an Relevanz, obwohl das berufsrechtliche Leitbild weiterhin von Unabhängigkeit und einer Begrenzung fremder Einflussmöglichkeiten geprägt ist. Die Entwicklung wird dabei weniger durch eine ausdrückliche regulatorische Öffnung als vielmehr durch Marktpraktiken, mittelbare Beteiligungsstrukturen und funktionale Ausweichkonstruktionen vorangetrieben. Die zwischenzeitlich beschlossene Verschärfung des Fremdbesitzverbots durch das Neunte Gesetz zur Änderung von Vorschriften im Steuerberatungsrecht und im Steuerrecht schärft zwar den berufsrechtlichen Rahmen, hebt die Problematik aber nicht vollständig auf. Insbesondere bestehen Fragen der Transparenz, der praktischen Kontrolle und der Umgehungsresistenz fort. Der vorliegende Beitrag knüpft an die jüngere Corporate-Governance-Diskussion zu Private-Equity-Beteiligungen an Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften an und ordnet die Entwicklung als Governance-, Transparenz- und Compliance-Thema ein. Es empfiehlt sich ein Zusammenspiel transparenzfördernder Institutionen, berufsständischer Konkretisierungen und innergesellschaftlicher Compliance-Mechanismen, um dem häufig auftretenden Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und berufsständischen Interessen gerecht zu werden.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7792.2026.05.06 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7792 |
| Ausgabe / Jahr: | 5 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-09-30 |
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