Rund 80 Prozent der befragten Unternehmen erhöhen ihre Compliance-Budgets lediglich leicht über dem Inflationsniveau. Zugleich planen 90 Prozent mit bis zu 15 Prozent mehr Personal – bei deutlich wachsender Komplexität. Fast alle kämpfen mit widersprüchlichen regulatorischen Anforderungen über verschiedene Rechtsräume hinweg. 70 Prozent prüfen den Rückzug aus Hochrisikomärkten.
Das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer. Risiken entstehen weniger durch klassische Regelverstöße, sondern durch deren operative Folgen:
Drei Risikodimensionen verdichten sich besonders stark:
Hinzu kommt ein strukturelles Dilemma: Der Umfang der Aufgaben wächst schneller als die verfügbaren Ressourcen. Der Report spricht von einer „Risk and Compliance Squeeze“ – einer Zange aus steigenden Anforderungen und begrenzten Mitteln. Klassische Antworten wie mehr Personal, zusätzliche Kontrollen oder isolierte IT-Lösungen greifen zu kurz.
Führende Unternehmen reagieren bereits und verlagern, den Fokus von reaktiver Compliance auf vorausschauende Steuerung zu verlagern. Geopolitische Entwicklungen werden frühzeitig in strategische Entscheidungen integriert, etwa bei Markteintritt, Standortwahl und Investitionen. Lieferketten werden systematisch auf Resilienz und Nachweisfähigkeit ausgelegt. Technologie wird gezielt eingesetzt, um Komplexität steuerbar zu machen.
Dabei wird Künstliche Intelligenz zur Voraussetzung für Skalierbarkeit. Zu den Anwendungen zählen regulatorisches Monitoring, Lieferkettenanalyse und Cyber-Risikoerkennung. Dennoch bleibt die Umsetzung oft auf einzelne Initiativen beschränkt. Viele Projekte verharren zudem im Pilotstadium, während die notwendige Integration in operative Abläufe und Governance-Strukturen vorerst ausbleibt.
Die zentrale Herausforderung liegt daher im Betriebsmodell. Unternehmen müssen ihre Risiko- und Compliance-Funktionen neu gestalten: stärker integriert, datenbasiert, vorausschauend und klar priorisiert. Entscheidend ist, knappe Ressourcen gezielt auf die risikorelevantesten Felder zu konzentrieren und gleichzeitig neue Fähigkeiten aufzubauen.
Der Report formuliert daraus fünf Leitlinien:
Wettbewerbsvorteile entstehen durch Design. Wer Governance, Technologie und Organisation aufeinander abstimmt, kann Komplexität bewältigen, ohne an Geschwindigkeit oder Flexibilität zu verlieren.
Zeitschrift für Risikomanagement (ZfRM)In Zeiten starker Umwälzungen und Krisenlagen bietet die einzige deutschsprachige Zeitschrift speziell zum Risikomanagement umfassende Orientierung. Nur wer wesentliche Risiken frühzeitig identifizieren, analysieren und bewerten kann, wird langfristig die richtigen Entscheidungen für sein Unternehmen treffen.
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