Das ist das Ergebnis einer Auswertung von sechs Experteninterviews mit Unternehmensvertretern und Beratern zur Umsetzung der Vorgaben nach CSRD und ESRS. Demnach bereiten vor allem vage formulierte Regeln, fehlende Vergleichsmaßstäbe und die hohe Komplexität der Wertschöpfungskette Probleme. In vielen Fällen entstehen sehr lange Listen mit potenziell relevanten Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs), die anschließend mit großem Aufwand bewertet werden müssen. Die Folge sind langwierige Prozesse, hohe Subjektivität und ein beträchtlicher Ressourcenbedarf – teils über viele Monate hinweg.
Als weitere Schwachstelle nennen die Befragten die mangelnde Trennschärfe bei der Formulierung von IROs. Häufig würden Auswirkungen, Maßnahmen und Steuerungsansätze vermischt. Auch standardisierte Befragungen von Stakeholdern stoßen demnach an Grenzen. Erfolgversprechender seien qualitative Formate wie Workshops und Interviews, ergänzt durch interne Schulungen, externe Expertise und den Austausch in Branchen-Netzwerken.
Trotz der Kritik sehen die Befragten in der doppelten Wesentlichkeitsanalyse auch Chancen. Richtig eingesetzt, könne sie nicht nur Berichtspflichten erfüllen, sondern Unternehmen helfen, Risiken und Chancen systematischer zu erkennen und ihre Strategie weiterzuentwickeln.
Diese und weitere Punkte erörtern Autorinnen und Autoren in einem jetzt veröffentlichten Beitrag in der ZCG. Sie plädieren deshalb für einen pragmatischeren Ansatz: weniger Formalismus, stärkere Priorisierung und klarere methodische Leitplanken. Der Nutzen der Analyse hänge davon ab, ob sie tatsächlich als strategisches Steuerungsinstrument verstanden werde.
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